Digitale Identität im Banking: eID statt Video-Ident
Wie Banken Ihre Identität online prüfen: eID, Video-Ident oder Bank-ID. Was die Geldwäscheverordnung ab 2027 und die EUDI-Wallet beim Onboarding ändern.
Digitale IdentitätVeröffentlicht
Wenn Sie online ein Bankkonto eröffnen, muss die Bank prüfen, dass Sie sind, wer Sie vorgeben zu sein. In der EU gibt es vier gängige Wege: eine eID-Karte oder -App, eine von Banken ausgegebene ID, ein Videogespräch mit einem Mitarbeiter oder einer Software sowie eine Dokumentenprüfung mit Selfie. Die ersten beiden sind in der Regel die stärksten, Video-Ident ist weit verbreitet, hat aber belegte Schwächen, und ab 10. Juli 2027 legt eine neue EU-Verordnung einheitliche Regeln für Fernprüfungen fest.
Warum Banken Sie identifizieren müssen
Banken folgen den Sorgfaltspflichten gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, im Alltag KYC genannt. Die EU ersetzt dabei ein Flickwerk nationaler Regeln durch ein einheitliches Regelwerk:
- Die AMLR (Verordnung (EU) 2024/1624) gilt ab dem 10. Juli 2027 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten.
- Die AMLA, die neue EU-Behörde zur Bekämpfung der Geldwäsche, erarbeitet technische Standards und beaufsichtigt ausgewählte Hochrisiko-Institute direkt. Zu ihren Entwürfen für Standards zur Kundensorgfalt führte sie im Frühjahr 2026 eine Konsultation durch.
Die AMLR erlaubt die Identifizierung ohne persönlichen Kontakt über elektronische Identifizierungsmittel mit substanziellem oder hohem Niveau (siehe Vertrauensniveaus), über einschlägige qualifizierte Vertrauensdienste oder über dokumentenbasierte Prüfungen, die bestimmte Standards erfüllen. In der Praxis sind das eine notifizierte eID, eine qualifizierte Signatur oder ein zertifiziertes Fernprüfverfahren. In Deutschland regeln bislang das Geldwäschegesetz und Verlautbarungen der BaFin, wie Video-Ident und Online-Ausweis zulässig sind.
Die gängigen Verfahren im Vergleich
| Verfahren | So funktioniert es | Stärken | Schwächen |
|---|---|---|---|
| Nationale eID (Karte oder App) | Sie authentifizieren sich mit der eID, oft per Personalausweis am Smartphone, und die Bank erhält geprüfte Daten | Hohes Niveau, schwer zu fälschen, schnell | Braucht eine kompatible eID, nicht alle Banken akzeptieren ausländische Systeme |
| Bank-ID (nordisches Modell) | Eine von Banken ausgegebene App meldet Sie überall an und kann auch zum Onboarding bei anderen Banken dienen | Sehr hohe Verbreitung im Norden, schnell | An bestehende Bankbeziehungen gebunden, außerhalb der Region begrenzt |
| Video-Identifizierung | Ein Mitarbeiter oder eine Software prüft Ausweis und Gesicht im Videogespräch | Auch ohne eID nutzbar, grenzüberschreitend einsetzbar | Anfällig für manipuliertes Video, abhängig von der Qualität des Anbieters, braucht gutes Licht und gute Kamera |
| Dokumentenscan mit Selfie | Sie fotografieren Dokument und Selfie, Software prüft Echtheit und Lebendigkeit | Schnell, kein Termin | Deepfakes und gefälschte Dokumente sind ein wachsendes Risiko, Genauigkeit schwankt |
| Qualifizierte elektronische Signatur | Sie signieren mit einer QES, die nach einer Identitätsprüfung ausgestellt wurde | Wiederverwendbar, hohes rechtliches Gewicht | Setzt eine vorhandene QES voraus, siehe QES-Leitfaden |
| Prüfung vor Ort oder per Post | Filiale, Postfiliale oder Kurier | Einfach und robust | Langsam |
Das Video-Ident-Problem
Video-Ident wurde in Deutschland und anderen Ländern zum Standard, weil Banken so ohne Filiale Kunden aufnehmen konnten. 2022 führte der Chaos Computer Club vor, wie ein manipulierter Videostrom mehrere Anbieter täuschen kann, und die gematik untersagte Video-Ident für die elektronischen Patientenakten der Krankenkassen und verwies auf Alternativen wie die Online-Ausweisfunktion, Postident und die Prüfung vor Ort. Das BSI hatte zuvor vor solchen Angriffen gewarnt. Die Anbieter haben ihre Prüfungen seither verbessert, und Aufsichtsbehörden drängen auf Standards für die Fernidentifizierung wie ETSI TS 119 461. Die Lehre für Kunden: Bietet Ihre Bank eine eID-Option an, wählen Sie diese.
So läuft das Onboarding mit eID
Mit einer kartenbasierten eID wie der deutschen Online-Ausweisfunktion ist der Ablauf kurz. Sie wählen in App oder Website der Bank die eID-Option, prüfen die angefragten Datenfelder und bestätigen sie, halten die Karte an die Rückseite des Telefons und geben die PIN ein. Die Bank erhält geprüfte Angaben zu Namen, Geburtsdatum und Anschrift, meist binnen Minuten. Im Vergleich zum Videogespräch brauchen Sie keinen Termin und kein gutes Licht, und es gibt weniger Angriffsfläche für Social Engineering, weil der Chip die Prüfung übernimmt.
Bank-IDs im Norden
In Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland liefern Banken und ihre Partner die digitale Identität, die Menschen für fast alles nutzen. Das schwedische BankID nutzen nach veröffentlichten Angaben mehr als 98 Prozent der Erwachsenen. Dänemarks MitID ist ein nach eIDAS notifiziertes eID-System, ebenso die schwedische eID. Das Modell ist sehr erfolgreich im Komfort und hat einen klaren Preis: Die Infrastruktur hängt an den Banken, und wer keine Bankbeziehung hat, braucht andere Wege.
Was die EUDI-Wallet ändert
Nach eIDAS 2.0 (hier erklärt) müssen private Dienste, die gesetzlich zu starker Authentifizierung verpflichtet sind, darunter Banken und Finanzdienstleister, die EUDI-Wallet akzeptieren. Die Pflicht greift einige Zeit nach Inkrafttreten der Durchführungsvorschriften zur Wallet, rechnen Sie also eher mit Ende 2027 als mit morgen. Beim Onboarding soll die Wallet verifizierte Identitätsdaten und, wo verfügbar, Adress- oder andere Nachweise mit einer Freigabe übergeben, und sie kann eine qualifizierte Signatur zum Abschluss des Vertrags liefern. Die AMLR erkennt qualifizierte Vertrauensdienste und die Wallet ausdrücklich als Wege an.
Zwei nüchterne Einschränkungen:
- Banken legen ihre Risikopolitik weiter selbst fest. Eine Wallet-Identität verpflichtet keine Bank, Ihnen ein Konto zu geben.
- Das grenzüberschreitende Onboarding bleibt praktisch schwerer, als der Gesetzestext vermuten lässt. Die heutige Lage beschreibt unsere Seite zur grenzüberschreitenden eID.
So bleiben Sie sicher
- Starten Sie aus der Bank-App oder mit selbst eingetippter Adresse. Falsche Support-Mitarbeiter und Phishing-Seiten zielen auf Onboarding und „Identitätsprüfungen“.
- Geben Sie keine Einmalcodes weiter, die Sie nicht selbst angefordert haben, und lesen Sie Bankcodes nie am Telefon vor.
- Nutzen Sie die eID, wenn sie angeboten wird. Sie ist phishing-resistenter als ein Videogespräch.
- Schützen Sie das Konto danach mit phishing-resistenter Anmeldung. Siehe phishing-resistente MFA.
- Lesen Sie die Datenschutzhinweise. Die Bank muss Identifizierungsdaten gesetzlich über Jahre aufbewahren. Prüfen Sie, wie Kopien Ihres Ausweises gespeichert werden.
Häufige Fragen
Warum muss meine Bank meine Identität prüfen?
Das Geldwäscherecht verpflichtet Banken, Kunden vor Beginn der Geschäftsbeziehung zu identifizieren und zu überprüfen. Das nennt man Kundensorgfaltspflicht oder Know your Customer (KYC). Es gilt online genauso wie in der Filiale.
Ist Video-Ident sicher?
Es ist in vielen Ländern zugelassen, hat aber bekannte Schwächen. 2022 zeigte der Chaos Computer Club Angriffe auf mehrere deutsche Video-Ident-Dienste mit manipuliertem Video, woraufhin die gematik es für die Patientenakten der Krankenkassen untersagte. Die Anbieter haben ihre Prüfungen verschärft, eID-basierte Verfahren lassen sich aber grundsätzlich schwerer fälschen.
Was ist eine von Banken ausgegebene eID?
In mehreren nordischen Ländern geben Banken das nationale Login- und Signaturwerkzeug aus, etwa BankID in Schweden und Norwegen oder MitID in Dänemark. Das schwedische BankID erreicht nach veröffentlichten Angaben über 98 Prozent der Erwachsenen, und diese Systeme dienen auch für Behördengänge.
Ersetzt die EUDI-Wallet das Video-Ident?
Sie dürfte seine Nutzung verringern, weil die Wallet Identitätsdaten mit hohem Niveau liefern kann. Banken müssen Wallets dort akzeptieren, wo starke Authentifizierung verlangt wird, doch diese Pflicht greift erst einige Zeit nach dem Wallet-Start, Video-Ident bleibt also noch eine Weile.
Kann ich mit meiner eID ein Konto in einem anderen EU-Land eröffnen?
Manchmal. Banken müssen ausländische eIDs heute nicht akzeptieren, einige nehmen aber notifizierte Systeme an. Mit der Wallet und der AMLR dürfte der Weg leichter werden, die Akzeptanz hängt aber weiter von der einzelnen Bank ab.
Mehr aus Digitale Identität
Altersverifikation in der EU: die Blueprint-App erklärt
Die EU-Blueprint-App belegt „über 18“, ohne Ihre Identität preiszugeben. So funktioniert sie, welche Länder pilotieren und wie sie zum DSA passt.
Digitaler Führerschein (mDL) in Europa: Stand 2026
Der digitale Führerschein kommt in die EUDI-Wallet. Was die EU-Richtlinie von 2025 regelt, wie der Standard ISO 18013-5 funktioniert und was heute schon geht.
eIDAS 2.0 erklärt: Das ändert das EU-Identitätsgesetz
eIDAS 2.0 (Verordnung (EU) 2024/1183) verpflichtet jedes EU-Land zu einer digitalen Identitäts-Wallet. Fristen, Folgen für Bürger und wer sie akzeptieren muss.
EU-Wallet Sicherheit: Phishing, Handyverlust, falsche Prüfer
Wie sicher ist die EUDI-Wallet? Risiken wie Phishing, verlorenes Handy, Schadsoftware und falsche Prüfer, Schutzmechanismen und Ihre Checkliste.
EUDI-Wallet und Datenschutz: Selektive Offenlegung
Wie privat ist die EU-Wallet? Was selektive Offenlegung, Pseudonyme und Unverkettbarkeit versprechen, wo die Lücken liegen und was Sie selbst tun können.
EUDI-Wallet: Häufige Fragen und Antworten
Kurze Antworten zur EUDI-Wallet: Kosten, Freiwilligkeit, Verfügbarkeit je Land, Datenschutz, Handyverlust, Kinder und Nicht-EU-Bürger. Stand Oktober 2026.