Was ist eine digitale Identität? Einfach erklärt
Eine digitale Identität sind Daten und Nachweise, die zeigen, wer Sie online sind. Wie sie funktioniert, welche Arten es gibt und was sich in Europa ändert.
Digitale IdentitätVeröffentlicht
Eine digitale Identität ist die Summe der Informationen, die Sie online repräsentieren, zusammen mit einem Verfahren, das belegt, dass diese Informationen tatsächlich zu Ihnen gehören. Das kann eine E-Mail-Adresse mit Passwort sein oder eine staatlich ausgestellte eID, die eine Bank zur Kontoeröffnung akzeptiert. Entscheidend ist nicht die Technik, sondern die Frage dahinter: Wer sitzt am anderen Ende, und wie sicher kann sich der Dienst dessen sein?
Die drei Bestandteile einer digitalen Identität
Fast jede digitale Identität besteht aus drei Dingen.
- Attribute. Angaben zu Ihrer Person: Name, Geburtsdatum, Anschrift, Staatsangehörigkeit, Kundennummer, Berufsbezeichnung oder schlicht eine E-Mail-Adresse.
- Nachweise (Credentials). Die Mittel, mit denen Sie diese Attribute zeigen: ein Passwort, ein Passkey, eine Chipkarte, eine App, ein signiertes Zertifikat oder ein auf dem Smartphone gespeichertes Dokument.
- Prüfung. Der Vorgang, bei dem jemand kontrolliert, ob der Nachweis echt ist und ob Sie die Person sind, zu der er gehört. Meist steht dahinter ein vertrauenswürdiger Aussteller, etwa eine Behörde oder eine Bank, der die Angaben zuvor bestätigt hat.
Der Unterschied zwischen einem Wegwerf-Konto in einem Forum und einer staatlichen eID liegt vor allem im dritten Punkt. Das Forum glaubt, was Sie eintippen. Eine Bank will einen Aussteller, der Ihren Ausweis tatsächlich geprüft hat.
Arten digitaler Identität in Europa
| Art | Aussteller | Typischer Einsatz | Nachweisstärke |
|---|---|---|---|
| Selbst angelegtes Konto | Sie selbst (E-Mail, Benutzername) | Foren, Newsletter, Shops | niedrig |
| Plattform- oder Social-Login | Google, Apple, Microsoft u. a. | „Anmelden mit …“ bei Drittseiten | niedrig bis mittel |
| Bank- oder Mobilfunk-Identität | Banken, Netzbetreiber | Online-Banking, Verträge, teils E-Government | mittel bis hoch |
| Nationale eID | Staat (Ausweis, Aufenthaltstitel, App) | Steuern, Gesundheit, Behörden, Fernsignatur | hoch |
| EUDI-Wallet | Mitgliedstaaten nach EU-Recht | grenzüberschreitende Identifizierung und Nachweise | hoch (gesetzlich vorgeschrieben) |
Viele Länder kombinieren mehrere dieser Wege. In Deutschland ist es der Online-Ausweis (eID-Funktion des Personalausweises), in Österreich die ID Austria, in der Schweiz kommt die staatliche E-ID erst noch. Estland und Belgien haben nationale eIDs seit vielen Jahren, andere Länder, darunter Schweden und Norwegen, setzen weitgehend auf bankbasierte Verfahren. Unsere Länderübersicht zeigt, was wo gilt.
Drei Arten, Identität zu organisieren
- Einzelne Konten. Jeder Dienst führt seine eigene Kopie Ihrer Daten und sein eigenes Passwort. Für den Dienst ist das einfach, für Sie ermüdend.
- Föderierte Anmeldung. Ein Anbieter bürgt gegenüber vielen Diensten für Sie, etwa bei „Anmelden mit …“ oder beim Single Sign-on im Unternehmen. Sie haben weniger Passwörter, aber der Anbieter sieht, wo Sie sich anmelden.
- Wallet-basierte Identität. Sie halten Nachweise, die vertrauenswürdige Stellen ausgestellt haben, und zeigen sie direkt vor. Die Dienste prüfen die Signaturen, und kein zentraler Login-Anbieter muss bei jedem Vorgang beteiligt sein. Dieses Modell steckt hinter der EU-Wallet.
Keines davon ist perfekt. Die Föderation bündelt Daten, während wallet-basierte Modelle die Verantwortung für Gerät und Sicherung auf Sie verlagern.
Identität und Datenschutz
Name, Geburtsdatum, nationale Kennnummern und ähnliche Merkmale sind nach der DSGVO personenbezogene Daten. Ein Dienst sollte nur das erfragen, was er für einen genannten Zweck braucht, und Identitätsdaten nicht länger als nötig speichern. Das ist auch für Sie ein guter Test: Verlangt eine Website eine Kopie Ihres Personalausweises, damit Sie einen Artikel lesen dürfen, stimmt etwas nicht.
Identität und Authentifizierung sind nicht dasselbe
Zwei Begriffe werden oft vermischt. Identifizierung stellt fest, wer Sie sind, meist einmalig und mit etwas Aufwand, etwa bei der Einrichtung einer eID. Authentifizierung bestätigt später, dass dieselbe Person zurückkehrt, zum Beispiel wenn Sie die App per Fingerabdruck entsperren. Ein Passkey ist hervorragend zum Anmelden, belegt aber nicht Ihren rechtlichen Namen. Den Unterschied erklären wir ausführlich unter Identität vs. Authentifizierung.
Warum sich Identität gerade verändert
Früher betrieb jede Website ihr eigenes Identitäts-Silo. Sie legten wieder ein Konto an und gaben dieselben Daten erneut preis. Föderation (Single Sign-on) reduzierte die Zahl der Passwörter, bündelte aber Macht bei wenigen großen Identitätsanbietern. Staaten ergänzten eigene eIDs, die jedoch meist national blieben und selten über Grenzen hinweg funktionierten.
Die Europäische Union setzt nun einen gemeinsamen Rahmen. Die Verordnung (EU) 2024/1183, meist eIDAS 2.0 genannt, verpflichtet jeden Mitgliedstaat, bis Ende 2026 mindestens eine EUDI-Wallet anzubieten. Die Idee: Sie halten Ihre Identitätsdaten und Nachweise selbst auf dem Smartphone und entscheiden von Fall zu Fall, was Sie zeigen. Ein Shop, der nur wissen muss, dass Sie volljährig sind, soll Ihr Geburtsdatum nicht erfahren.
Unterschiedliche Sicherheitsstufen
Nicht jeder Dienst braucht dieselbe Gewissheit. Das europäische Recht kennt drei Vertrauensniveaus, niedrig, substanziell und hoch, je nachdem, wie streng Ihre Identität geprüft wurde und wie gut die Anmeldung geschützt ist. Einzelheiten stehen auf der Seite zu den Vertrauensniveaus.
Was Sie jetzt tun können
- Bestandsaufnahme. Notieren Sie die Konten, auf die es ankommt: E-Mail, Bank, Steuer- oder Gesundheitsportal, Cloud-Speicher. Sie bilden den Kern Ihrer Identität.
- Fundament schützen. Ihr Haupt-E-Mail-Konto kann fast alles andere zurücksetzen. Sichern Sie es zuerst mit einem Passkey oder einem App-basierten zweiten Faktor. Siehe Passkeys erklärt.
- Nationale eID prüfen. Wenn Ihr Land einen Ausweis mit Online-Funktion oder eine App anbietet, aktivieren Sie sie und testen Sie sie einmal, solange es nicht eilt. In Deutschland benötigen Sie dafür Ihre selbst gewählte Ausweis-PIN.
- Auf die Wallet vorbereiten. Sie müssen noch nichts tun. Wenn Ihr Land die Wallet startet, ist die Nutzung freiwillig und kostenlos.
- Wiederherstellung aktuell halten. Ein verlorenes Handy sollte lästig sein, aber keine Aussperrung bedeuten.
Den offiziellen Überblick über das EU-Programm bietet das Portal der Europäischen Kommission zur EU Digital Identity Wallet.
Verbreitete Missverständnisse
Eine digitale Identität ist kein zentraler Datenbankeintrag. Es gibt keine EU-Akte über jede Bürgerin und jeden Bürger. Der Wallet-Ansatz beruht auf Daten, die auf Ihrem eigenen Gerät liegen und von Stellen ausgestellt werden, die sie ohnehin führen.
Eine digitale Identität ist nicht zwingend ein Staatsprodukt. Auch Banken, Netzbetreiber und Plattformen bieten Identitätsdienste an, mit unterschiedlichem rechtlichem Gewicht.
Eine Identität zu haben heißt nicht, alles zu teilen. Gutes Design erlaubt es, einzelne Attribute zu zeigen. Ob ein Dienst tatsächlich weniger verlangt, hängt teils von der Regulierung ab und teils vom Dienst selbst, weshalb die Registrierung der Prüfer wichtig ist. Mehr dazu in unserem Ratgeber zu selektiver Offenlegung und Unverkettbarkeit.
Häufige Fragen
Ist eine digitale Identität dasselbe wie ein Login?
Nein. Ein Login (Benutzername plus Passwort oder Passkey) belegt, dass Sie ein Konto kontrollieren. Eine digitale Identität ist weiter gefasst: Sie beschreibt, wer Sie sind, und lässt sich mit unterschiedlicher Sicherheit gegenüber verschiedenen Diensten nachweisen. Der Login ist oft nur ein Baustein davon.
Brauche ich eine digitale Identität?
Im weiteren Sinn haben Sie bereits eine, denn jedes Online-Konto gehört dazu. Ob Sie eine staatliche eID brauchen, hängt vom Land ab: Steuererklärung, Gesundheitsportale oder Kontoeröffnung verlangen sie zunehmend. In Deutschland ist der Online-Ausweis des Personalausweises der bekannteste Weg.
Ist eine digitale Identität sicher?
Sie kann es sein, aber das hängt von der Bauweise und von Ihrem Umgang damit ab. Staatliche eIDs und Wallets setzen auf starke Kryptografie und Zertifizierung. Der schwächste Punkt ist meist das Konto für die Wiederherstellung, etwa die E-Mail-Adresse oder die Telefonnummer.
Was ist der Unterschied zwischen Identität und Attribut?
Die Identität ist das Gesamtbild einer Person. Ein Attribut ist eine einzelne Aussage darin, etwa „über 18“, „wohnhaft in Österreich“ oder „besitzt einen Führerschein“. Moderne Systeme sollen es ermöglichen, nur das Attribut zu zeigen, das ein Dienst wirklich braucht.
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