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Jabber.org und OpenID 2008: XMPP trifft Web-Login

Im März 2008 nahm die Website von Jabber.org OpenID-Logins an. Was das für offenes Instant Messaging bedeutete und was aus Jabber.org seither geworden ist.

GeschichteVeröffentlicht

Im März 2008 begann die Website von Jabber.org, OpenID-Logins anzunehmen. Die Meldung erschien am 19. März 2008 im Blog von OpenID Europe, der Login war demnach seit dem 8. März möglich. Es war eine kleine Notiz in einem Frühjahr voller OpenID-Ankündigungen, aber ein schönes Beispiel dafür, wie zwei offene, dezentrale Ideen zueinanderfanden.

Was angekündigt wurde

Jabber.org war und ist der ursprüngliche öffentliche Dienst auf Basis von XMPP, dem Extensible Messaging and Presence Protocol. Der archivierte Blogbeitrag von 2008 beschrieb das Projekt als offene Technik für Instant Messaging, als dezentrales Netz von Chat-Diensten und als Satz stabiler Standards für Echtzeitkommunikation, veröffentlicht von der IETF. Hervorgehoben wurde, was XMPP von den meisten Chat-Netzen jener Zeit unterschied: Wer bereits ein Konto bei einem XMPP-fähigen Dienst hatte, konnte mit jedem kompatiblen Client Menschen auf anderen Servern erreichen oder einen eigenen Server betreiben.

Die OpenID-Änderung war enger gefasst, als sie klingt. Besucher konnten sich auf der Jabber.org-Website mit einer OpenID anmelden, statt ein eigenes Website-Konto anzulegen. OpenID wurde damit nicht zum Anmeldeverfahren des Chat-Protokolls selbst. XMPP authentifizierte Nutzer weiter mit eigenen Mechanismen, wie es das bis heute tut.

Warum die Kombination nahelag

OpenID und XMPP teilten eine Grundhaltung. Keines von beiden hing an den Servern einer einzelnen Firma. Eine OpenID konnte von jedem Anbieter oder von der eigenen Domain stammen, so wie eine XMPP-Adresse auf jedem beliebigen Server liegen konnte. Beide waren als offene Spezifikationen veröffentlicht, der XMPP-Kern als IETF-Standard (RFC 3920 im Jahr 2004, 2011 abgelöst durch RFC 6120). Die XMPP Standards Foundation, die Erweiterungen des Protokolls entwickelt, gehört zur selben Familie offener Standardisierungs-Gemeinschaften.

Für ein Projekt, dem Föderation am Herzen lag, war es folgerichtig, Logins von überallher zu akzeptieren. Die Alternative, noch ein Benutzername mit Passwort auf noch einer Website, war genau das, was OpenID abschaffen wollte. Die Grundidee erklärt Identitätsföderation, die spätere Ausprägung der Ratgeber zu Single Sign-on.

Was aus Jabber.org wurde

Der Dienst selbst hat ein langes, nicht immer ruhiges Leben hinter sich. Öffentliche Quellen berichten vom Start 1999 als Testumgebung für den ursprünglichen Jabber-Server, von mehreren Wechseln der Server-Software und davon, dass 2013 keine neuen Konten mehr angelegt werden konnten, während bestehende XMPP-Konten anderer Dienste weiter funktionierten. 2023 zog der Dienst auf die Server-Software Prosody um. Seine Startseite nennt heute die Infrastruktur des Messaging-Unternehmens JMP.chat, Freiwillige und das Prosody-Team als Unterstützer.

Offenes Instant Messaging verlor außerdem sein größtes föderiertes Mitglied. Google Talk war einst mit XMPP-Servern verbunden, doch Google rückte in den Folgejahren von der offenen Föderation ab, und das XMPP-Netz schrumpfte zu einer Gemeinschaft aus Enthusiasten, Firmen und einer wachsenden Zahl von Selbsthostern.

Was die Episode zeigt

Zwei Lehren stechen heraus. Erstens war OpenID dort am willkommensten, wo Nutzern Dezentralität ohnehin wichtig war. Open-Source-Gemeinschaften wie Jabber.org und SourceForge führten es früh ein, und spätere Nutzer wie Stack Overflow, das seine OpenID-Unterstützung 2018 wegen geringer Nutzung beendete, gaben es wieder auf. Die Gründe beleuchtet Warum OpenID 2.0 verschwand.

Zweitens überlebt Föderation, wenn sie leicht zu betreiben ist und einen klaren Nutzen hat. XMPP lebt weiter. OpenID 2.0, das Protokoll hinter dem Login von 2008, beschreibt OpenID 2.0, es ist praktisch ausgemustert. Sein Nachfolger OpenID Connect steckt heute hinter den meisten Single-Sign-on-Schaltflächen.

Heute

Wer offenes Messaging ausprobieren möchte, braucht nur ein XMPP-Konto bei einem aktuellen Anbieter; moderne Clients beherrschen aktuelle Verschlüsselungsstandards. Alle Meilensteine rund um diese Episode stehen in der OpenID-Zeitleiste. Wie OpenID Europe in jenem Jahr über andere Dienste berichtete, zeigen die Geschichten von Yahoo und Passpack.

Angaben zu Jabber.org mit Stand Oktober 2026, nach der Startseite des Dienstes und öffentlichen Quellen. Die ursprüngliche Ankündigung von 2008 ist im Internet Archive erhalten.

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